
Was bedeutet das, wenn man nächtens nahezu stündlich aus einem anderen Traum erwacht, alle Träume aber vom Reisen handeln?
Diese Frage stelle ich mir, kaum dass ich mich mühsam dem warmen kuschligen Bett entrissen und kaum noch die Füsse über den Bettrand gewuchtet habe. All diese Bilder in meinem Kopf… Unterwegs in Österreich, um eine alte Freundin zu besuchen, die ich lange, lange, laaaaange weder gesehen noch gehört habe. Zubett gehen in einer großen Holzkiste mit Deckel. Irgendwas ist passiert während einer Fahrt in einem Zug… Ich sitze auf meiner Bettkante und wundere ich mich über das Durcheinander meiner Träume, während mir die jüngste Traumsequenz entgegen meinen Bemühungen aus dem Gedächtnis gleitet. Im Grunde war ich die halbe Nacht „unterwegs“. Auf der Reise… Ja, selbst diese Holzkiste… die Ähnlichkeit zu einem Sarg ist unleugbar! Ist nicht auch der Tod eine Art Reise?
Kurz denke ich zwangsläufig an Ferien. In wenigen Tagen trete ich meinen Sommerurlaub an. Hat es damit was zu tun? Irgendwas in mir sagt vehement NEIN, dafür aber blitzt in mir das Wort Salatfrosch auf… Ja. Ja! Alles in mir antwortet mit JA! DAS ist die Reise, mit der ich mich seit Tagen beschäftige. DAS ist das unbequeme Thema, vor dem ich am liebsten den Kopf in den Sand stecken würde.
Teufelchenfrosch, der fiese kleine Drecksack, hat zuletzt doch wieder gesiegt. Ich bin seit letzem Herbst aus dem Gleis und aus allen sowieso kaum vorhandenen Fugen geraten. Gerade in den letzten Wochen habe ich vor lauter Frust und Enttäuschung über mich selbst noch mal so extrem viel zugelegt, dass man mir beim Zunehmen förmlich zusehen kann. Ich habe mich regelrecht aufgegeben und den speislichen Genüssen er- und hingegeben. Das konnte nur eine gewisse Zeit gut gehen. Denn am Ende stehen immer Unwohlfühlen, Sichfettundschwerfühlen, Schmerzende Arthrose, Bewegungslustlosigkeit, Verlust an Lebensfreude, Frust, Depression und Todessehnsucht. Ja wirklich, manchmal erscheint mir der Gedanke zu sterben weniger erschreckend, als raus und in ein Schwimmbad zu gehen. Und das alles ist nur der momentan für mich offensichtliche Kummer.
Essen ist meine Droge. Meine Droge, die mir Wohlgefühl und Zufriedenheit beschert und mir Trost spendet. Ein Teufelskreis. Etwas zu schmecken ist wie gestreichelt, umarmt und behütet werden. Es macht mich fett und infolgedessen unglücklich und infolgedessen brauche ich Trost…
Fettes ungesundes Essen ist mein Heroin, meine Flasche Wodka, gegen die ich mich, zweifelsohne ein Leben lang und jeden Tag aufs Neue, wehren muß… M-U-S-S… *grübel*… Ein „muß“ kommt von außen, steht für „Andere“. Das ist nicht gut – keine gute Medizin!
Meine Träume habe mir vergangene Nacht gezeigt, dass da was in mir bereit und Willens ist. Ich will mich wieder besser fühlen… W-I-L-L… das „ich will“ kommt von innen, aus mir ganz allein, und für mich ganz allein. Das ist gut – gute Medizin!
Gestern schon hab ich eine Weiche gestellt, als ich meinen Einkaufszettel schrieb. Zum ersten Mal seit langem konnte ich wieder gesünderes Essen visualisieren. Und so standen zuletzt auf der gestern erstellten Liste Frischkäse, Vollkorn- und Gemüseprodukte. Zum Einkaufen bin ich gestern zwar zuletzt nicht mehr gekommen, aber trotzdem: Ich bin eindeutig dabei, mich auf eine Reise zu begeben! Diese innere Entwicklung bricht sich offensichtlich in meinen Träumen Bahn.
Jetzt brauche ich nur noch den Mut zum ersten Schritt. Den Mut zur gnadenlosen, unschönen Wahrheit. Den Mut, das Wiegen zu wagen…
Wrgs… ö_O